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Fika – die berühmte schwedische Kaffeepause

Traditionelle schwedische Fika mit Kaffee und typisch schwedischem Gebäck

Der Afternoon Tea ist wie eine Fika im Sonntagsanzug

Die Engländer haben ihre Tradition des Afternoon Tea. Klassischerweise wird er zwischen 15:00 und 17:00 Uhr serviert und besteht – neben einer oder mehreren Tassen Tee – aus Sandwiches, Scones mit Marmelade und Sahne sowie etwas Süßgebäck. Auch in Schweden ist diese Tradition in den letzten Jahren etwas beliebter geworden, obwohl sie noch längst kein fester Bestandteil des Alltags ist. Vielleicht liegt das daran, dass die Schweden bereits ihre eigene Tradition haben – die schwedische Fika.

In den vergangenen Jahren hat gerade der Begriff Fika international große Aufmerksamkeit erhalten. Von der „Swedish Fika“ hört man inzwischen häufig. Vielleicht ist das teilweise auch das Ergebnis einer gelungenen Werbekampagne – ähnlich wie die alte Empfehlung, täglich sechs bis acht Scheiben Brot zu essen. Für viele Besucher gehört eine Fika in Schweden heute genauso selbstverständlich dazu wie rote Holzhäuser, Dalapferde und das Mittsommerfest.

Was ist Fika?

Wissenswertes über Fika

  • Fika ist sowohl ein Substantiv als auch ein Verb.
  • Das Wort entstand vermutlich durch eine Umstellung der Buchstaben des schwedischen Wortes für Kaffee (kaffe).
  • Kaffee kam im 17. Jahrhundert nach Schweden.
  • Die schwedische Fika-Kultur entwickelte sich im 19. Jahrhundert.
  • Bei einer Fika geht es genauso sehr um Geselligkeit wie um Kaffee.

Nein, Fika ist deutlich älter als viele glauben. Das Wort entstand vermutlich als spielerische Variante des schwedischen Wortes kaffe. Dabei wurden die Buchstaben vertauscht und der Vokal verändert – aus kaffe wurde fika. Aussprache und Betonung sind dabei wichtig: Die erste Silbe wird lang ausgesprochen. Fiiika. In einigen anderen germanischen Sprachen kann ein ähnlich klingendes Wort übrigens eine ganz andere Bedeutung haben.

Doch Fika ist weit mehr als nur Kaffee. Fika ist auch ein Verb – man trifft sich auf einen Kaffee, genießt etwas Süßes, unterhält sich und verbringt gemeinsam eine angenehme Zeit. Gleichzeitig ist Fika auch das Substantiv für diese kleine Auszeit selbst. Genau das macht sie zu einer so typisch schwedischen Tradition.

Kaffee, Kartoffeln und Eva Ekeblad

👩‍🌾 Wer war Eva Ekeblad?

  • 1724 als Eva De la Gardie geboren.
  • Zeigte 1746, wie Kartoffeln zur Herstellung von Branntwein und Stärke genutzt werden können.
  • Trug dazu bei, dass Getreide als Lebensmittel statt für die Alkoholherstellung verwendet werden konnte.
  • Wurde als erste Frau in die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.
  • Wird manchmal als „Königin der Kartoffel“ bezeichnet.

Kaffee kam bereits im 17. Jahrhundert nach Schweden und gehört damit fast genauso lange zur schwedischen Kultur wie die Kartoffel. Tatsächlich tranken die Schweden schon Kaffee, bevor die Kartoffel zum festen Bestandteil ihrer täglichen Ernährung wurde. Erst 1746 zeigte die Gräfin und Agrarwissenschaftlerin Eva Ekeblad (geb. De la Gardie), dass sich aus Kartoffeln auch Branntwein herstellen ließ. Vielleicht verdanken wir ihr sogar die schwedische Fika? Bis dahin wurde Schnaps hauptsächlich aus Getreide gebrannt. Nun konnte das Getreide stattdessen zum Backen von Brot und Gebäck verwendet werden, während die Kartoffel den Branntwein lieferte.

Das war tatsächlich ein echter Wendepunkt!

Kaffeeverbote und Ersatzkaffee

Anders als die Kartoffel lässt sich Kaffee im nordischen Klima nicht anbauen. Deshalb musste Kaffee importiert werden – oft zu hohen Preisen. Im 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Kaffeeimport mehrfach verboten, um die schwedische Wirtschaft zu schützen. Handelszölle kommen und gehen – ebenso wie politische Seitenhiebe.

Was macht das Volk, wenn es keinen Kaffee mehr kaufen darf?

Ganz einfach: Es stellt Ersatzkaffee her. In Schweden nannte man ihn oft einfach Surre. Diese eher mäßigen Kaffeeersatzprodukte wurden beispielsweise aus gerösteten und gemahlenen Eicheln oder aus getrockneten Zichorienwurzeln hergestellt.

Im Gegensatz zu Fika hat sich das Wort Surre allerdings nie wirklich durchgesetzt. Das ist eigentlich recht paradox, denn ein wesentlicher Bestandteil einer Fika ist gerade das gemütliche Plaudern. Das gesellige Beisammensein ist wichtiger als der Kaffee selbst.

Wie die schwedische Fika-Kultur entstand

Im 19. Jahrhundert gewann die Fika-Kultur immer mehr an Bedeutung. Als dicht bebaute Dörfer durch verschiedene Agrarreformen aufgelöst wurden, wurde der soziale Kontakt vielleicht wichtiger denn je. Eine Fika oder ein Kaffeekränzchen bot dafür die ideale Gelegenheit.

Eigentlich ist das bis heute so geblieben. Eine Fika entsteht oft ganz spontan, wenn Verwandte – die normalerweise in angenehmer Entfernung wohnen – anrufen und ankündigen, dass sie in zehn Minuten vor der Tür stehen und Lust auf Kaffee haben. Schnell die Kaffeemaschine einschalten, das Gebäck auf den Tisch stellen – und schon kann das Gespräch beginnen.

„Des einen Leid ist des anderen Brot.“ Oder vielleicht doch umgekehrt?

1764 kündigte die Republik Venedig ihr Abkommen mit den Schweizer Bäckern, den sogenannten Bündner Zuckerbäckern aus Graubünden. Zwei Jahre später mussten sie das Land verlassen. Ihre Privilegien wurden aufgehoben, und sie wurden mehr oder weniger ausgewiesen – vermutlich, um die heimische Herstellung von Backwaren zu schützen.

Viele dieser Bäcker wanderten anschließend nach Deutschland, Russland und glücklicherweise auch nach Schweden aus.

Dort eröffneten sie kleine Konditoreien und Kaffeehäuser, die sogenannten Schweizerien. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Bäckern durften sie nicht nur Gebäck herstellen, sondern auch Kaffee, Schokolade und Tee servieren. Manche boten ihren Gästen sogar einen kleinen Likör oder Digestif dazu an.

Achtung! Bestellen Sie niemals „Kaffee mit avec“, besonders nicht in Frankreich. Avec ist Französisch und bedeutet schlicht „mit“. Sie würden also wörtlich „Kaffee mit mit“ bestellen – ähnlich wie bei „PIN-Nummer“.

Die schwedische Fika entwickelte sich schließlich etwas anders als die klassische Konditoreikultur. Mit der Industrialisierung wurden kurze Pausen mit einer Tasse Kaffee zu einem wichtigen Bestandteil des Arbeitsalltags. Eine Tasse Kaffee in der kurzen Büropause, ein nettes Gespräch, vielleicht ein Keks – und natürlich eine Zimtschnecke.

Und genau so entstand die schwedische Fika, wie wir sie heute kennen.

Fika oder Kaffeekränzchen?

☕ Ungeschriebene Regeln des schwedischen Kaffeekränzchens

  • Sieben Sorten Gebäck galten lange Zeit als die ideale Anzahl.
  • Sechs Sorten konnten als geizig angesehen werden.
  • Acht Sorten konnten dagegen als Angeberei wirken.
  • Zuerst Kekse, dann Zimtschnecken oder anderes Gebäck. So gehörte es sich.
  • Ein traditionelles Kaffeekränzchen war deutlich formeller als die heutige Fika.
  • Die moderne Fika kennt wesentlich weniger Regeln – und meist auch deutlich weniger Gebäck.

Eine kleine Anmerkung vorweg: Es ist leicht, Fika und ein schwedisches Kaffeekränzchen miteinander zu verwechseln. Ein Kaffeekränzchen ähnelt in seiner Form eher dem englischen Afternoon Tea. Zu einem klassischen Kaffeekränzchen gehören normalerweise Kaffee und sieben verschiedene Sorten Gebäck – wobei die Anzahl durchaus variieren kann. Nach alter Tradition werden zuerst die Kekse gegessen und erst danach Zimtschnecken oder anderes Gebäck. Ein bisschen Ordnung muss schließlich sein.

Bei einer Fika läuft das ganz anders. Es gibt keine festen Regeln oder Vorschriften. Niemand erwartet eine bestimmte Anzahl von Kuchen oder Keksen. Man macht eine Fika, um sich mit Kollegen, Freunden oder der Familie zu entspannen. Gerade dieser gesellige Aspekt gilt als typisch schwedisch und bildet einen schönen Gegenpol zum Klischee der nordischen Zurückhaltung.

Das @-Zeichen … und natürlich die Zimtschnecke!

🥐 Typische Leckereien auf einem schwedischen Fika-Tisch

  • Kanelbullar (schwedische Zimtschnecken)
  • Kleine Kekse (Hallongrottor, Drömmar, Schackrutor, Finska Pinnar und andere schwedische Klassiker)
  • Mazarin
  • Dammsugare (ein klassisches schwedisches Gebäck, das wie ein grüner Staubsauger aussieht)
  • Chokladboll (schwedische Schokoladenkugel)
  • Kaffee oder Tee
  • Gute Gesellschaft

Apropos Fika – da gibt es natürlich noch eine Spezialität, die wir bisher noch gar nicht erwähnt haben: die Kanelbulle, die schwedische Zimtschnecke. Das analoge @-Zeichen.

Diese goldbraune Hefeschnecke mit Butter, Zucker und Zimt ist längst zu einer schwedischen Ikone geworden. So sehr sogar, dass sie einen eigenen Feiertag bekommen hat: den Tag der Zimtschnecke am 4. Oktober.

Zwar gehört die Zimtschnecke traditionell nicht zu den klassischen sieben Sorten Gebäck eines Kaffeekränzchens, doch auf den meisten schwedischen Fika-Tischen ist sie heute kaum noch wegzudenken. Viele Schweden würden sogar behaupten, dass eine Fika erst dann wirklich komplett ist, wenn eine Zimtschnecke in Reichweite liegt. Und wenn ich wählen müsste, würde ich jederzeit eine perfekt gebackene schwedische Zimtschnecke einem Cupcake vorziehen.

Wie der Evangelist Matthäus einst schrieb (wenn auch auf Koine-Griechisch):

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“

Aber jeder weiß, dass eine gemütliche Fika mit guter Gesellschaft ganz besonders gut schmeckt.


Fika-Cafés, Bäckereien und Konditoreien in Sälen

Jetzt kennen Sie ein Stück schwedischer Tradition und die Geschichte der Fika. Vielleicht haben Sie inzwischen selbst Lust auf eine gemütliche Kaffeepause bekommen – und das können wir gut verstehen. Von unseren Ferienhäusern in Gruven und Tangen erreichen Sie einige der schönsten Cafés und Konditoreien in Sälen ganz bequem (siehe unten).

Wenn Sie lieber in Ihrem Ferienhaus eine Fika genießen möchten, finden Sie in den Geschäften der Umgebung alles, was Sie dafür brauchen. Die entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Shopping-Seite. Weitere Restaurants, Cafés und gemütliche Lokale finden Sie außerdem in unserem Restaurant- und Genussführer.

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